Fahrradi Farfalla: Luxus zum Treten und ich bin ihn gefahren!


eingang Auto mit starrer Nabe
Fahrradi Farfalla in voller Pracht
Der Fahrradi Farfalla hat mich vom ersten Moment an elektrisiert.
Ein Auto(?)-Fahrrad(?), das den Luxus auf herrliche Weise persifliert.

Was ist der Fahrradi?
Ist es ein Auto? Ist es ein Fahrrad? Vermutlich ist es das, was der Betrachter darin sieht.

Seit der Fahrradi im Lentos Kunstmuseum in Linz ausgestellt ist, überschlagen sich die Medien (interessanterweise hauptsächlich motorsportlastig) mit Artikeln.

Ich hatte  das Glück und die Gelegenheit den Künstler zu treffen und mit ihm eine Runde im Fahrradi zu fahren.

Stilsicher kommt Hannes Langeder mit seinem selbst umgebauten E-Bike zum Treffpunkt vor dem Lentos Kunstmuseum in Linz. Eigentlich hat es heute geschlossen und durch die Scheiben kann ich schon mein Objekt der Begierde sehen: den Fahrradi Farfalla - den langsamsten Ferr- äh Verzeihung - Fahrradi der Welt.

Über die Hintertüre kommen wir ins Museum rein und ich kann den Fahrradi in Natur sehen.


Ein Fahrrad als Prestigeobjekt getarnt
der Fahrradi - von der Idee zum Aufbau
Ein Jahr Arbeit steckt drinnen und wieviel genau das Material gekostet hat, lässt sich nicht mehr sagen. Auf jeden Fall ein Haufen Kabelführen, Plastikstreben, Tesa, Paketkleber und Klebeband, dessen Farbe dann doch nicht so überzeugt hat, sodass noch mit "Rosso corso" ferrarirot überlackiert wurde.

Komplizierte Teile waren die Chassis, die speziell in Wien angefertigt wurde, sowie die Plexiglasscheibe, die aus Radstadt kommt. Hätte hier der tatsächliche Wert auf dem Kostenvoranschlag gestanden, wäre das Projekt von vornherein gescheitert.

Der Fahrradi bringt ein stolzes Gewicht von über 100 Kilogramm auf die Waage. Hannes fragt mich ob ich fahren will - na klar!

Wir öffnen die Museumstüren und nehmen in den Halbliegesitzen Platz. Vorsichtig navigieren wir aus dem Museum, ohne dass die Seitenspiegel abbrechen.
Danach pedalieren wir locker über den Vorplatz an staunenden Gesichtern vorbei - runter an die Donaulände. Ein entgegenkommender Mercedes bleibt stehen, die Insassen springen raus und wollen uns fotographieren. Das Stehenbleiben fällt nicht schwer bei 5 km/h. Man entdeckt eine andere Art der Langsamkeit.

Ich möchte wissen, wie das so mit der Strassenzulassung ist. Technisch gesehen erfüllt der Fahrradi alle Voraussetzungen - so rein prinzipiell. Letztes Wochenende wurde er dann aber doch von einem Streifenwagen mit Blaulicht (!) "verfolgt". Derzeit ist noch unklar, ob von dieser Seite noch etwas kommt.

An einem Bordstein müssen wir dann langsam fahren, da der Fahrradi so tiefgelegt ist, dass wir aufsetzen. Die Temperaturen sind sommerlich, wir fahren daher mit geöffneten Flügeltüren, was die Klimatisierung deutlich verbessert.

Zum Abschluss geht es nochmal einen kurzen Berg hoch. Von der Tretanstrengung her ist es nicht so schlimm wie erwartet. Gut, dass hier vier Räder ein Umfallen verhindern.

Wir sind zwar nur ein kurzes Stück gefahren, aber das war Erlebnis genug!

Der Künstler hat schon einige Anfragen bekommen, für Stadtrundfahrten, für Autotreffs. Ihm ist der Kunstkontext wichtig. Er möchte seinen Fahrradi nicht als Kuriosität, sondern als Kunst wahrgenommen wissen. Einen Verkauf kann er sich prinzipiell vorstellen, am liebsten an ein Museum oder an eine Sammlung.

Nachtrag: habe ich hier noch auf Youtube entdeckt: ein "making of" des Vorgängermodells: Ferdinand GT 3RS (Porsche)


Und hier nochmal das sehr coole Feature-Video:



Webseite vom Fahrradi:
http://fahrradi.han-lan.com/

Die Chassis hat ein Wiener Firma namens Maderna erstellt:
http://www.mcsbike.com/