Kamera? Aber sicher! - Warum Daniel sein Fahrrad mit Front- und Rückkamera ausgestattet hat

Gastautor Daniel Pöhler:

Erst letzte Woche ist es wieder passiert. Eine Frau in einem roten Kleinwagen kommt mir auf einer schmalen Straße entgegen und spielt das Spiel: wer ausweicht, verliert. Sie weicht nicht aus – und verfehlt mich nur um wenige Zentimeter. Ohne auch nur ein bisschen langsamer zu werden. Und obwohl es eine Lücke gab in der Reihe parkender Autos auf ihrer Seite. Idioten gibt es überall: auf dem Sattel genauso wie am Steuer eines Kraftfahrzeugs. Doch Autofahrer/-innen lenken ein tonnenschweres Fahrzeug, mit dem sie ihre Mitmenschen in große Gefahr bringen können.

Ich habe schon oft gehört, dass es nichts bringen soll, nach solchen oder noch gefährlicheren Situationen Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Die Beamten sollen meist etwas sagen wie: „Ist doch nichts passiert.“ Und beweisen könne man doch eh nichts. Doch dagegen kann man etwas unternehmen.

Ich habe mir jetzt sogenannte Action-Cams vorne und hinten ans Fahrrad montiert. Die Aufnahmen können als Beweis für eine Anzeige dienen, wenn sie nötig sein sollte. Alternativ kann man sich in Ruhe das Nummernschild anschauen und den Fahrer im Internet bewerten, zum Beispiel auf fahrerbewertung.de. Das hat nichts mit denunzieren zu tun. Bewertet wird heute alles und jeder: Käufer und Verkäufer, Professoren und Lehrer, Arbeitgeber, Onlineshops. Wer sich korrekt verhält, hat nichts zu befürchten. Außerdem kann die Bewertung eines Autofahrers, der einen gefühlt fast umgebracht hat, sehr befreiend wirken.



Ich verwende unter anderem die Kamera „Easypix 20100 GoXtreme“, die für den gedachten Zweck vollkommen ausreichend ist. Sie ist neu ab rund 45 Euro erhältlich, gebraucht ab 30 Euro:




Daniel Pöhler ist Journalist und hat vor kurzem sein Auto verkauft, weil er mit dem Fahrrad einfach schneller und komfortabler in München vorankommt. Beruflich schreibt er auf Finanztip.de, privat twittert er unter @danielpoehler.

Kommentare:

  1. Sorry, aber diese Sichtweise halte ich für völlig daneben. Du bist dann auch Freund der Vorratsdatenspeicherung und Totalüberwachung, denn: ,,Wer sich korrekt verhält, hat nichts zu befürchten.''?

    Abgesehen davon, dass ,,Action-Cams'' wirklich scheiße aussehen, man das Rad dann erst recht nicht mehr irgendwo anschließen will und Menschen mit ,,Action-Cams'' als Prinzipienreiter, Denunzianten und kleinkarierte i-Tüpfel-Scheißer bereits aus der Ferne eindeutig zu identifizieren sind (zumindest auf den ersten Blick so herüberkommen), warum verhältst Du dich als Radler nicht einfach so, wie Du es auch von den anderen Verkehrsteilnehmern erwartest: Zurückhaltend und Vorausschauend, nicht immer auf den Recht beharrend?

    Statt ,,Wer zuerst ausweicht, verliert'' zu spielen, sei lieber Vorbild.

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    1. Hallo Niels,

      das hat so ziehmlich nichts mit Vorratsspeicherung oder Ueberwachung zu tun:
      - Die Daten werden nicht zentral zusammengefuehrt (also von allen Action-Cam-Nutzern)
      - Die Bilder werden nicht vorgehalten
      - Personen hinter Scheiben sind ohnehin kaum zu erkennen
      - Das letzte Mal als ich geschaut habe, hatten einzelne Radfahrer mit Action-Cam noch keine Befugnisse der Exekutive
      - Behoerden oder andere Privatpersonen werden kaum Bilder von irgendwelchen Action-Cam-Nutzern abfragen wollen/koennen

      Der Vorwurf mit Vorratsdatenspeicherung/Ueberwachung ist also ziehmlich undurchdacht.

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  2. Hallo Niels,

    die Cams kann ich leicht abnehmen, weshalb ich mir wegen Diebstählen keine Sorgen machen muss. Die Optik ist natürlich Geschmackssache.

    Ich verhalte mich übrigens zurückhaltend und defensiv. Leider gibt es ein paar wenige schwarze Schafe unter den Kraftfahrern, denen andere Verkehrsteilnehmer total egal zu sein scheinen. Die setzen das Leben anderer leichtfertig aufs Spiel. Nur um diese Armleuchter geht es mir hierbei.

    Viele Grüße
    Daniel

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  3. Armleuchter gibt es überall, bei Auto- und Radfahrern wie bei Fußgängern. Wenn ich nachts durch den Englischen Garten fahre, kommen mir so viele unterbeleutete Radfahrer entgegen, dass einem Angst und Bange werden kann. Manchmal muss ich mich bemühen, denen keinen Verkehrsunfall an den Hals zu wünschen...

    Und das Selbstverständnis der ,,Radlhauptstadt München'' halte ich auch für seltsam, wenn diese erst einmal den Josephsplatz für ein Parkhaus unterkellert, die Theresienstraße lieber verschmälert (für die Errichtung von Parkplätzen) als verkehrsberuhigt und endlich einen Radweg einbaut und Radfahrer teilweise über Pisten schickt, auf denen ich Angst um die Felgen meines Rennrads habe und daher lieber die Straße benutze.
    So findet man immer etwas, sich zu beschweren. Aber statt zu eskalieren und eine gewalttätige Atmosphäre zu erzeugen, liegt mir doch mehr an einem gegenseitigen Verständnis und Respekt, das man sicher nicht mit Kameras aufbauen kann.

    (Aber auch ich nehme mir manchmal mein Recht auf Kosten der Bremsbeläge anderer Autos.)

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  4. Soweit ich weiß, werden solche Aufzeichnungen vor deutschen Gerichten (oder war der Fall in Österreich?) nicht beachtet, schlimmer noch, das gilt als systematische Überwachung und ist verboten. Von der Juristerei verstehe ich nicht viel und verwende vermutlich falsche Begriffe, aber ich erinnere mich über einen Fall gelesen zu haben, in dem das so gehandhabt wurde.

    Dass ein Großteil der gefährlichen Situationen im Verkehr dadurch entstehen, dass sich LenkerInnen aller Fahrzeuggattungen nicht übermäßig um Regeln und gegenseitiges Verständnis kümmern und dass dies wiederum ganz bestimmt viel mit der Anonymität und Nichtkommunikation im Verkehr (man sieht sich nur wenige Sekunden und oft ist man durch Blech und Glas gut geschützt) zu tun hat, dem würde ich aus meiner Erfahrung heraus uneingeschränkt zustimmen.

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  5. Juristisch ist die Lage wohl nicht ganz eindeutig. Fakt ist jedoch, dass Aufnahmen solcher Kameras in Deutschland bereits vor Gericht als Beweis zugelassen wurden. Siehe: http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/auto-reise-verkehr/sendung/sr/2012/sendung-vom-22092013-cockpitkamera-100.html

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  6. Hallo,
    mich würde interessieren, wie die Kamera am Heck befestigt ist.

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  7. Man kann ein hohes Ausbildungsniveau für das Radfahren sehen. Dies ist ein gutes Beispiel für diejenigen, die nicht verstehen, warum wir Gadgets für das Fahrrad brauchen. Ich habe vor kurzem eine gute Software gefunden, es hilft, verlorene Dateien wiederherzustellen, können Sie es auf Diese Webseite finden. Es ist nützlich, besonders wenn Sie ein Video-Blogger sind.

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  8. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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