Das ultimative Fahrradwörterbuch - nie wieder ohne Worte im Urlaub...

Adam Bell ist Kommunikationsdesigner in München.     Und er mag Fahrräder. Die Idee zu einem Fahrradwörterbuch kam ihm, als er sich mit seinem französischen Rennrad beschäftigt hat und im italienischen Ebay nach einem Lenkerband suchte. Eine bebilderte Liste für Fahrradteile in unterschiedlichen Sprachen wäre praktisch - in 2014 hat er sein Projekt gestartet und ein Jahr daran gearbeitet. Jetzt ist es fertig: das ultimative Fahrrad-Wörterbuch! Es deckt die Sprachen Deutsch, englisch, französisch, italienisch und japanisch ab. Die Zeichnungen hat er selbst gemacht und bei den Übersetzungen haben ihn Viele unterstützt.








Zu kaufen gibt es das Fahrrad-Wörterbuch unter: www.umwerk.de 
Zusatzinfos zum Buch und lokale Verkaufsstellen: bikebook.belldorado.de
Die Seite von Adam Bell: www.belldorado.de

Das Buch gibt es bei Umwerk zu kaufen - was ist Umwerk?


Das Umwerk sind meine Freunde/Kollegen Tanja Kischel, Georg Behringer und ich. Die zwei sind ebenfalls freiberufliche Grafiker (und Radl-Fans), manchmal arbeiten wir auch gemeinsam an Projekten, wenn deren Umfang es erfordert. Nebenbei betreiben wir dann auch noch den Online-Shop und haben einen kleinen Laden, dem Büro angeschlossen. Wir verkaufen in erster Linie Papierprodukte aus aller Welt, haben aber auch allerlei andere Artikel im Sortiment, eines davon haben wir auch selbst gestaltet - Postkarten, Kalender, Bücher …







Erzähle doch kurz etwas über Dich und Deine Fahrradleidenschaft:

Ich bin Jahrgang 1972, war hier in München bei der Olympiade im Bauch meiner Mama (die aus dem Westend stammt) dabei, geboren wurde ich dann in Landsberg am Lech und bin dort in der Nähe auf dem Dorf aufgewachsen. Ganz normale Jugend mit einem schwarzen Bonanza-Rad und später nem BMX und Kettler-Alurad für die „weiten" Strecken. Ich bin in Landsberg aufs Gymnasium gegangen, habe danach meinen Zivildienst im Landkreis gemacht und wollte dann schon „irgendetwas mit Grafik“ studieren.

Weil ich aber noch nicht auf die Uni (bzw. FH) wollte, habe ich zuvor noch einen Ausbildung zum Siebdrucker - ebenfalls in Landsberg - gemacht. Da man ja auf dem Land immer eher größere Strecken zurücklegen muss, wenn man irgendwo hin möchte (Schule, Party, Bandprobe etc.) bin ich zu der Zeit eigentlich mehr mit dem Auto als mit dem Fahrrad unterwegs gewesen …

Nach einer gewissen Wartezeit hat es dann mit dem Studienplatz geklappt, und ich bin nach Würzburg gezogen, um dort an der FH mein Kommunikationsdesign-Studium durchzuziehen. Dort habe ich dann auch meine jetzigen Kollegen kennengelernt und als wir alle mit dem Studium fertig waren (zeitversetzt) sind wir gemeinsam hierher gezogen und haben das Umwerk eröffnet.

Was die Leidenschaft fürs Fahrrad betrifft, bin ich ein Spätberufener: auch hier in München war ich jahrelang noch ein ganz normaler „User“ und habe nur so kleine Arbeiten wie Reifenwechsel oder Bremsbelag-Tausch selbst gemacht. Eine Arbeitskollegin bei einem Nebenjob hat dann mal ihr altes Rennrad aus dem Keller gezogen, weil sie es verkaufen wollte, und als ich es gesehen habe, dachte ich „das will ich haben!“. Ich habe es dann auch zu einem guten Preis bekommen, aber weil es zu groß war, ist es erst einmal ein paar Jahre in der Garage gestanden. Parallel dazu hat mich eine japanische Freundin gefragt, ob ich wüsste, wo man günstige Fahrräder kaufen kann, ihres sei kaputt gegangen. Es lag noch so eine altes Damenrad meiner Schwester bei einem Kollegen im Keller und ich habe vorgeschlagen, dass ich das doch wieder herrichten könnte. Das habe ich dann auch getan, es war mehr Arbeit, als ich dachte, hat aber auch viel Spaß gemacht und ich habe einiges dabei gelernt.

Das große Rennrad wurde an einen Freund verkauft, vom Erlös ein passendes gekauft und aufgemotzt, die nächste Fahrrad-Leiche aus dem Hof reaktiviert, Werkzeug angeschafft und Wissen angelesen, noch ein altes Rennrad gekauft und hergerichtet und so weiter … Arbeiten muss ich aus Platzmangel in der Küche, wenn das Wetter es nicht im Hof zulässt - das nervt irgendwann, mit dem ganzen Dreck und so, dann muss mal wieder komplett aufgeräumt werden, aber wenn nicht spätestens nach ein paar Wochen das nächste Projekt ansteht, werde ich irgendwie nervös …

Also, ich bin eher ein Schrauber, als ein Radler - wobei alles was geschraubt wurde, dann auch gefahren werden muss, je besser die Fahrräder, desto weiter die Ausfahrten und hier in der Stadt sowieso alle Strecken mit dem Radel, es sei denn das Wetter ist echt schlimm, dann habe ich auch keine Lust ,-)

Noch was kurzes zum Schrauben: ich finde es super, dass man mit etwas Wissen aus Büchern und dem Internet, dem richtigen Werkzeug und ein wenig handwerklichem Geschick alles selber machen kann. Manchmal muss man auch hartnäckig dranbleiben, wenn man es dann endlich geschafft hat, ist das eine große Befriedigung!

Wie bist Du auf die Idee gekommen?

In 2013 startete ich das Projekt „Gitane, Tour de l’Avenir von 1974“ (das Rad auf dem Buchcover, aber gelb): auf den ersten Blick nur Kosmetikarbeit, auf den zweiten Blick so einiges völlig verhunzt und verbastelt. Ich weiß nicht mehr genau, was es war, aber irgendetwas war im Argen, ich wusste nicht mehr weiter und musste recherchieren. 40 Jahre alte französische Technik! Zum Glück findet man im Internet so gut wie alles und auch für mein Problem habe ich die passende Erklärung gefunden. Bei der tollen Seite „mytenspeeds.com“, die betreibt ein Kanadier, der massenweise alte Rennräder restauriert und verkauft und das alles toll dokumentiert hat.

Mit sehr vielen Fotos und bebilderten Workshops zu Themen wie „Innenlager-Wartung“ oder „festsitzende Sattelstütze entfernen“. Die Seite habe ich komplett durchgeackert und da alles auf englisch ist, habe ich quasi en passant die ganzen englischen (technischen) Spezialbegriffe gelernt. Kurze Zeit später war ich im italienischen e-bay auf der Suche nach Lenkerband unterwegs und habe dabei auch andere Dinge und deren (tolle) italienische Namen entdeckt (la corona = das Kettenblatt) - da habe ich mir gedacht, es wäre schön, so eine Liste mit den ganzen Fahrradteilen in verschiedenen Sprachen zu haben, falls ich mal wieder ein besonderes Teil suche.

Im Internet gab es nur eine unvollständige Liste in seltsamen Sprachen und umständlich sortiert. Da habe ich mir überlegt, man bräuchte noch Bilder dazu, dann könnte man das unabhängig von einer Sprache anhand der Bauteile sortieren und somit ganz leicht finden. Das alles ist mir dann eine Zeit lang im Kopf herum gegangen, bis ich mir schließlich gedacht habe „das mache ich jetzt einfach!“. Dann habe ich es gleich den Kollegen erzählt, damit es auch ja kein Verschieben und Verschleppen und dann doch nicht machen gibt und Anfang 2014 mit der Arbeit begonnen.

Wo hast Du die Übersetzer gefunden?

Das war viel Arbeit, das hätte ich im Nachhinein betrachtet schlauer machen können, aber so wie es gelaufen ist, war es letztendlich sehr gut. Für professionelle Übersetzung war natürlich keine Kohle da.

Meine Idee war es, Fahrradmechaniker, oder Fahrrad-Freaks in den entsprechenden Muttersprachen zu finden - die müssen sich die entsprechenden Bilder nur kurz anschauen und benennen, dann wäre das ruckzuck erledigt, ein ganz „normaler“ Italiener, Deutscher oder Japaner tut sich schwer mit Begriffen wie „Speichen-Nippel, Steuersatz, Kettenleitrolle etc.)

Deutsch und englisch mache selber, für italienisch fragte ich die, bei denen ich das Lenkerband gekauft habe, japanisch finde ich jemanden über meine Bekannte, französisch wird schwierig - dachte ich.

Die Italiener war sehr freundlich und interessiert, aber als es zur Sache ging, ist der E-Mail Kontakt kollabiert und es kam kein Piep mehr, ich weiß bis heute nicht, was da los war

Für das japanische habe ich mir einen Aushang und Flyer von meiner Bekannten übersetzen lassen und bin damit zum deutsch/japanischen Stammtisch, zum japanischen Supermarkt und in die japanische Kneipe gegangen. DEN oder DIE eine Übersetzer(in) habe ich damit nicht gefunden, es wurde eher eine Koproduktion: Takeuchi, der Chef der J-Bar in der Maistraße hat sich als Radl-Liebhaber erwiesen und selbst etwas geholfen, Genya hat mich aufgrund des Aushangs angerufen und einiges übersetzt, ich habe selbst noch etwas mit Hilfe des Internets gemacht und schließlich beim Stammtisch Ayako kennengelernt, die zusammen mit ihrem Freund Tomohiro Korrekturen beigesteuert hat. Das war kompliziert aber Horizont erweiternd!

Meine Bedenken wegen des französischen haben sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten schnell verflüchtigt, da Tobi, der Freund meiner Nachbarin Linda, in Kanada einen Fahrradrahmen bei Jean-Michel Cauvin gekauft hatte und mir seine Mail-Adresse gegeben hat. Jean-Michel hat seine Hilfe zugesagt und super schnell die ersten 100 Begriffe übersetzt, für den Rest hat er dann auch nicht mehr lange gebraucht. Ein Glücksfall.

Beim italienischen stand ich nun etwas auf dem Schlauch, doch dann hat sich herausgestellt, dass eine langjährige Bekannte - Federica - eine Ausbildung als Übersetzerin für Italienisch und Deutsch (noch dazu Spezialgebiet Technik) gemacht hat. Das wusste ich die ganze Zeit davor nicht, war also eine tolle Überraschung. Jean-Michel hat auch noch Lorenzo, einen italienischen Freund, aus dem Hut gezaubert und gemeinsam haben dieser und Feder dann für die italienische Übersetzung gesorgt.

Allen meinen Übersetzern bin ich sehr dankbar, ich hätte es ohne sie nicht geschafft!

Wie lange hast Du dafür gebraucht?

Von der ersten Idee bis zum fertigen Buch ziemlich genau ein Jahr, wobei ich natürlich nicht am Buchprojekt durchgearbeitet habe, es musste schließlich nebenher auch noch andere Arbeit erledigt werden. Aber in diesem Fall kann man fast von einem glücklichen Umstand sprechen, dass 2014 für mich ein ruhiges Geschäftsjahr war, und ich die Zeit gefunden habe, immer wieder am Buch zu arbeiten. Gegen Ende musste ich dann manchmal noch auf ausstehende Übersetzungen warten um das Layout fertig zu machen, die unterschiedliche Länge der Begriffe in verschiedenen Sprachen war dabei natürlich wichtig. Als dann eine Veröffentlichung noch vor Weihnachten tatsächlich in greifbare Nähe gerückt ist, habe ich noch mal richtig Gas gegeben und am 12.12. schließlich das fertige Buch in meinen Händen halten können.

Was war besonders schwierig/schön/…?

Ein Buch zum Druck fertig machen ist für mich als Grafiker ja eigentlich Routine, als besonders
schwierig habe ich aber all das empfunden, was ich dabei vorher noch nicht gemacht hatte. Also die ganze redaktionelle Arbeit, sich überlegen, welche Begriffe rein sollen, welche nicht, und überhaupt die ganzen Fragen rund um die Veröffentlichung: Braucht man einen Verlag? Wie finanziert man das? Mit Sponsoren? Crowdfunding? Selber stemmen? Braucht man eine ISBN Nummer? Und die ganzen Inhalte und Übersetzungen heranschaffen, natürlich.

Besonders viel Spaß hat mir das Kolorieren der Zeichnungen gemacht, das ist so ein bisschen wie ein Malbuch für Kinder, auch wenn es bei Objekten mit vielen glänzenden Stellen manchmal etwas nervig wird, ist es insgesamt doch fast schon eine meditative Tätigkeit.
Figuren anmalen ist am lustigsten :-)

Ein sehr schöner Moment war auch, als ich zum ersten Mal neben dem bereits vorhandenen deutschen und englischen Text etwas französisches, italienisches und japanisches einfügen konnte, da hat man irgendwie gemerkt, wie das Buch zum Leben erweckt wird!

Lieber Adam - danke für Deine Geschichte - ein tolles Werk!


Bilder mit freundlicher Genehmigung von Adam Bell.

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